René Schmetz: „Pläne schützen nicht. Menschen schon.“
Praxiswissen für humanitäre Hilfe und Krisenmanagement
René Schmetz ist Lehrbeauftragter an der Akkon Hochschule für Camp Coordination and Camp Management (CCCM), Humanitäre Logistik und Lokalisierung des Humanitären Systems. Als Gründer seiner Firma RESC4U! berät er Organisationen in den Bereichen Kritische Infrastrukturen (KRITIS), Krisenmanagement (KM), Business Continuity Management (BCM) sowie nationale und internationale Notfall- und Katastrophenvorsorge.
Als Lehrbeauftragter an der Akkon Hochschule verbindet er operative Praxiserfahrung mit wissenschaftlicher Lehre und legt besonderen Wert darauf, Studierende praxisnah auf die Herausforderungen humanitärer Einsätze und komplexer Krisensituationen vorzubereiten.
„Humanitäre Hilfe lebt davon, dass Wissen nicht nur dokumentiert, sondern weiterentwickelt und gelebt wird.“
Warum engagieren Sie sich als Lehrbeauftragter an der Akkon Hochschule?
„Mich motiviert vor allem die Möglichkeit, Erfahrungen aus der Praxis an die nächste Generation von Fach- und Führungskräften weiterzugeben. Humanitäre Hilfe lebt davon, dass Wissen nicht nur dokumentiert, sondern weiterentwickelt und gelebt wird.
Die Akkon Hochschule bietet hierfür ein Umfeld, das wissenschaftliche Qualität mit einem hohen Praxisbezug verbindet. Genau das entspricht meiner eigenen Überzeugung. Gute Lehre sollte nicht nur Fachwissen vermitteln, sondern Menschen dazu befähigen, in komplexen und dynamischen Krisensituationen fundierte Entscheidungen zu treffen.
Besonders wichtig ist mir dabei, dass Studierende lernen, über Standards hinauszudenken. Internationale Leitlinien wie die Sphere Standards oder die Cluster-Architektur bilden eine unverzichtbare Grundlage. Entscheidend ist jedoch, diese in unterschiedlichsten kulturellen, organisatorischen und operativen Rahmenbedingungen verantwortungsvoll anwenden zu können.“
Was geben Sie Studierenden aus Ihrer praktischen Erfahrung besonders mit?
„Ich versuche meinen Studierenden zu vermitteln, dass erfolgreiche humanitäre Hilfe immer Teamarbeit ist. Keine Organisation, kein Cluster und keine einzelne Fachdisziplin kann komplexe Krisen allein bewältigen.
Ebenso wichtig ist mir der Faktor Mensch. In der Praxis entscheiden nicht allein Konzepte, Pläne oder technische Ausstattung über den Erfolg einer Mission. Den Unterschied machen die Menschen, die unter Zeitdruck Entscheidungen treffen, Verantwortung übernehmen, kommunizieren und auch in belastenden Situationen handlungsfähig bleiben.
Deshalb lege ich großen Wert darauf, nicht nur Methoden und Instrumente zu vermitteln, sondern auch praktische Fähigkeiten zu stärken, kritisch zu reflektieren, Prioritäten zu setzen und Unsicherheiten auszuhalten. Gerade diese Kompetenzen machen den Unterschied zwischen theoretischem Wissen und professionellem Handeln im Einsatz.“
„Keine Organisation, kein Cluster und keine einzelne Fachdisziplin kann komplexe Krisen allein bewältigen.“
Welche Kompetenzen sind in Ihrem Fachgebiet aktuell besonders wichtig?
„Die humanitären Herausforderungen werden zunehmend komplexer. Konflikte, Naturkatastrophen, Klimafolgen und fragile Infrastrukturen verlangen nach Fachkräften, die interdisziplinär denken und organisationsübergreifend zusammenarbeiten können.
Neben fundierten fachlichen Kenntnissen gewinnen deshalb Kompetenzen wie Kommunikation, Koordination, analytisches Denken und Entscheidungsfähigkeit immer stärker an Bedeutung. Ebenso wichtig ist ein ausgeprägtes Verständnis für kulturelle Unterschiede sowie die Fähigkeit, lokale Akteure aktiv einzubinden und humanitäre Maßnahmen gemeinsam mit ihnen zu gestalten.
Auch digitale Kompetenzen werden immer relevanter. Daten, Informationsmanagement und interdisziplinäre Zusammenarbeit können Entscheidungen sinnvoll unterstützen. Sie ersetzen jedoch niemals die Verantwortung, Erfahrung und das Urteilsvermögen der Menschen, die sie anwenden.“
Welchen Rat geben Sie heutigen Studierenden mit auf den Weg?
„Bleiben Sie neugierig und offen für unterschiedliche Perspektiven. Humanitäre Hilfe bedeutet lebenslanges Lernen. Jede Krise, jede Mission und jede Zusammenarbeit eröffnet neue Erfahrungen.
Nutzen Sie Ihr Studium deshalb nicht nur zum Erwerb von Fachwissen, sondern auch, um Netzwerke aufzubauen, praktische Erfahrungen zu sammeln und sich selbst kritisch zu hinterfragen. Fachliche Kompetenz ist wichtig. Genauso wichtig sind jedoch Integrität, Teamfähigkeit und die Bereitschaft, Verantwortung für andere Menschen zu übernehmen.
Mein persönlicher Leitsatz lautet: Pläne schützen nicht. Menschen schon. Gute Strukturen sind unverzichtbar, aber sie entfalten ihre Wirkung erst durch die Menschen, die sie mit Kompetenz, Haltung und Verantwortungsbewusstsein umsetzen.“
Menschen mit Erfahrung – Praxiswissen für die Lehre an der Akkon Hochschule
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