Widerstandsfähigkeit des Gesundheitssystems im Jemen: IRIA-Stipendiatin für Forschung von Alexander von Humboldt-Stiftung ausgezeichnet
Im Interview berichtet Dr. Dalia Hyzam über ihre Forschung zur Resilienz des Gesundheitssystems im Jemen und die Bedeutung widerstandsfähiger Gesundheitssysteme in Krisenkontexten.
Wie können Gesundheitssysteme auch unter den Bedingungen von Konflikten, Krisen und gesellschaftlichen Umbrüchen ihre grundlegenden Leistungen aufrechterhalten? Mit dieser Frage beschäftigte sich Stipendiatin Dr. Dalia Hyzam während ihres zweijährigen Forschungsaufenthaltes an der Akkon Hochschule am Institute for Research in International Assistance (IRIA).
Für ihre erfolgreiche Forschung „Health System Resilience: Responding to the Changing Contexts of Health System Challenges and their Impact on the Continuity of Essential Health Services in Yemen” wurde Dr. Dalia Hyzam nun von der Alexander von Humboldt-Stiftung ausgezeichnet.
Die Auszeichnung durch die Alexander von Humboldt-Stiftung würdigt herausragende Forschung zu resilienten Gesundheitssystemen in Krisenkontexten. Gleichzeitig unterstreicht sie die wissenschaftliche Kompetenz, internationale Vernetzung und Forschungsstärke der Akkon Hochschule als betreuende Einrichtung.
Im Gespräch mit Dr. Dalia Hyzam
Warum wurde dieses Forschungsthema gewählt?
Dr. Dalia Hyzam: Gesundheitssysteme in Konfliktgebieten werden oft unter den Gesichtspunkten Krise, Zusammenbruch und humanitäre Hilfe diskutiert, während Aspekten wie Resilienz, Governance und langfristiger Transformation weniger Aufmerksamkeit geschenkt wird. Der Jemen ist ein für diese Diskussion äußerst relevantes Fallbeispiel. Trotz des langwierigen Konflikts und der institutionellen Zersplitterung blieb das Gesundheitssystem auf unterschiedliche Weise funktionsfähig – gestützt durch lokale Anpassungsmaßnahmen, externe Unterstützung sowie das Engagement von Gesundheitskräften und der Bevölkerung. Mein Ziel war es, nicht nur zu verstehen, was in der Krise zerbricht, sondern auch, was Bestand hat, was sich anpasst und was einer sinnvollen Systemtransformation im Wege steht. Die Studie soll daher Erkenntnisse liefern, die nicht nur für den Jemen von Bedeutung sind, sondern auch für die breitere Debatte der globalen Gesundheitspolitik über fragile und von Konflikten betroffene Kontexte.
Welche Erkenntnisse sind für das internationale Gesundheitswesen besonders relevant?
Dr. Dalia Hyzam: Resilienz darf nicht bloß als die Fähigkeit eines Gesundheitssystems verstanden werden, eine Krise zu überstehen. Das Beispiel Jemen zeigt, dass Gesundheitssysteme unter extremem Druck dank Bewältigungsmechanismen und lokaler Anpassung zwar weiter funktionieren können, dies jedoch nicht zwangsläufig zu einer langfristigen Erholung oder Transformation führt. Diese Unterscheidung ist für die internationale Gesundheitspolitik und die humanitäre Hilfe von Bedeutung. Die Unterstützung fragiler Gesundheitssysteme sollte über die Notfallhilfe und die kurzfristige Bereitstellung von Dienstleistungen hinausgehen. Sie sollte auch in Governance, Personalkapazitäten, Datensysteme, Chancengerechtigkeit, Rechenschaftspflicht und institutionelles Lernen investieren. Diese Erkenntnisse sind auch für andere fragile und von Konflikten betroffene Regionen relevant, in denen die Aufrechterhaltung der Gesundheitsversorgung zwar essenziell, aber nicht ausreichend ist, um stärkere und gerechtere Gesundheitssysteme aufzubauen.
Welche Unterstützung boten IRIA und die Hochschule?
Dr. Dalia Hyzam: IRIA und die Akkon Hochschule boten ein wichtiges akademisches und institutionelles Umfeld für die Durchführung dieser Forschung im Rahmen meines Humboldt-Stipendiums. Sie ermöglichten Betreuung, fachlichen Austausch, administrative Unterstützung sowie den nötigen akademischen Freiraum, um das Projekt eigenständig zu entwickeln. Diese Unterstützung war besonders wertvoll, da die Forschung Erkenntnisse aus der Praxis im Jemen mit umfassenderen Debatten zu globaler Gesundheit, Gesundheitssystemen, Governance und Politik verknüpft. Die Anbindung an IRIA ermöglichte es mir zudem, den konzeptionellen Rahmen der Resilienz von Gesundheitssystemen kritisch zu hinterfragen und die Ergebnisse in den Kontext internationaler akademischer und politischer Diskussionen einzuordnen. Das förderliche Forschungsumfeld trug maßgeblich dazu bei, sowohl die wissenschaftliche Qualität des Projekts als auch dessen Relevanz über den jemenitischen Kontext hinaus zu stärken.
Wir danken Dr. Dalia Hyzam für das Gespräch und die interessanten Einblicke.
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